Mineralien - Pestel

vogtlanddruse

 

Lithiophorite aus dem Vogtland

 

                                                                                                                              Für die Typlokalität des Lithiophorit wird die Grube „Gott segne beständig“, an der Spitzleithe bei Blauenthal (Burghardtsgrün) im Schneeberger Revier im Westerzgebirge genannt. Der Mineraloge Friedrich August Frenzel veröffentlichte 1870 seine Ergebnisse über ein lithiumhaltiges Manganerz von diesem Fundpunkt und nannte es Lithiophorit. Viele weitere Fundpunkte, so z.B. Schwarzenberg, Johanngeorgenstadt oder Rengersdorf/Lausitz sind seit dieser Zeit in Sachsen bekannt geworden. Von einem neuen Fundpunkt im sächsischen Vogtland stammen nun ausgezeichnete Stufen dieses Minerals.

                                                                                                      Suche nach Psilomelanglasköpfen 2001


  Im Waldgebiet zwischen Eichigt, Ebersbach und Süßebach, südlich von Oelsnitz im Vogtland gelegen, findet man noch spärliche Pingen und Halden eines sehr alten Eisenbergbaues, der mindestens bis ins 16. Jahrhundert zurückgeht. Der durch diesen Forst führende „Eisenweg" deutet heute noch darauf hin. Beim Durchstreifen dieses Geländes haben wir etliche Halden- und Pingenzüge gefunden. Der wohl größte befindet sich nahe Ebersbach , ist jedoch durchweg mit Müll und Bauschutt verfüllt, so ebenfalls auch der Pingenzug nahe Süßebach, der den Eisenweg schneidet. Mehr Glück hatten wir an einem ca. 100m nördlich des Eisenweges gelegenen Pingenzug, an dem wir zu unserer Überraschung schönen „Psilomelan“ in glaskopfartiger bis stalaktitischer Ausbildung auf und in Drusen im Sternquarz fanden.

 

Vom „Psilomelan“ zum Lithiophorit

Erst 2014, nach erneutem Besuch der Fundstelle, wurde der gefundene „Psilomelan“ analysiert. Die zuerst durchgeführte EDX – Analyse ergab, neben Mangan, Sauerstoff und einem zu vernachlässigenden Kobaltgehalt, einen sehr hohen Gehalt an Aluminium. Dieser fand sich bei sämtlichen Proben. Sofort war uns klar, dass dies auf Lithiophorit hindeuten könnte. Die folgende XRD Untersuchung bestätigte unseren Verdacht.

 

Ausbildung und Fundsituation

Der Eichigter Lithiophorit bildet nierige, glaskopfartige und seltener stalaktitische Formen aus. Typisch ist immer der schalige Aufbau. Er sitzt stets auf Sternquarz, hin und wieder überzieht er auch kleine Quarzkristalle in drusigen Bereichen im Sternquarz. Wir konnten schön ausgebildete Lithiophoritstufen eigentlich nur an zwei Bereichen des sehr langen Pingenzuges finden und dort auch nur in der oberen Haldenschicht, direkt unter der Grasnarbe (es könnte sich hier um Scheidestellen handeln, an denen das Erz

zerklopft und das unbrauchbare Manganerz auf die Halde transportiert wurde).

 

Geologische Situation

Diese kleinen Schargänge im Waldgebiet von Eichigt gehören dem Schönbrunner Störungssystem an und gehen auf eine hydrothermale Gangbildung durch den Eichigter Granit zurück. Namensgebend für diesen Granitpluton ist die Ortschaft Eichigt, da er hier seine höchste Erhebung bei rund 500 Meter Tiefe erreicht. Nach den Flanken fällt der Granit in die Tiefe ab. Im Bereich der Schönbrunner Flußspatgrube liegt der Granit schon bei knapp 1000 Meter Tiefe. Die Schönbrunner Spalte ist die mächtigste und bedeutenste Gangstruktur des Eichigter Granites. Die größten Gangbreiten, bis 18 Meter, erreicht sie im Bereich Lauterbach – Schönbrunn – Planschwitz, wo sie als Mittel auch Flussspat führt (Flußspatgrube Schönbrunn). Folgt man dem Gang in südöstliche Richtung führt sie bei Triebel fast nur noch Quarz und fiedert bei Eichigt in kleine Quarz – Eisengänge auf, die unseren neu gefundenen Lithiophorit führen. Umgeben sind die Gänge bei Eichigt von schwach überprägten Tonschiefern (Phyllit). Der in der Tiefe lagernde Granit selbst ist wahrscheinlich der Träger des Lithiums in Form von fein verteilten Glimmern, z.B. lithiumführender Biotit oder Mischkristalle der Reihe Siderophyllit – Polylithionit („Zinnwaldit“). Das Lithium ist wahrscheinlich während der hydrothermalen Bildungsphase ausgelaugt und im Manganerz eingelagert worden, so dass sich Lithiophorit bilden konnte.

Ich möchte mich recht herzlich für die wissenschaftliche Unterstützung bei Dr. Wilfried Bär, Bad Elster und Mirko Martin, Freiberg, sowie bei meinen Sammlerkollegen Jörg Kasiske, Obertriebel und Jörg Drewitz, Plauen bedanken.

 

Autorenadresse:

Steffen Pestel, Obere Kirchstr. 6, 08606 Oelsnitz

Internet : www.vogtlanddruse.de

E-Mail: vogtlanddruse@hotmail.de

 

 

FRENZEL, A. (1870): Lithiophorit, ein lithionhaltiges Manganerz.- Journal für praktische Chemie 110 (Neue Folge 2), 203-206


FRENZEL, A. (1871): Mineralogisches; 2. Lithiophorit; 3) Hypochlorit, Nachtrag zu Pucherit.- Journal für praktische Chemie 112 (Neue Folge 4), 353-362

FRENZEL, A. (1879): Mittheilungen an Prof. G. Leonhart. Freiberg, den 4. November 1878 (Über Lithiophorit u.a.).- Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Palaeontologie, Jahrgang 1879, 55-57

 

Internet:

 

Lithiophorit – Die Homepage von Thomas Witzke

tw.strahlen.org/typloc/lithiophorit.html

Lithiophorit, Lithiophorite, Kakochlor, Schneeberg, Spitzleithe, Rengersdorf, Typlokalität,

Entdeckung und Originalliteratur